Abendlicht

Sonne und Erde sind sich näher,

wenn sie einander abendlich zugeneigt sind,

 

das Licht die Dinge nicht mehr hart von oben trifft,

sondern rot und tief ins Land fließt

 

um ihnen ins Gesicht zu schauen

und seine Hände wie ein stilles Gebet auf sie zu legen.

Im Sommer

Die Dinge ruhen in der Mitte ihres Sommers,

schauen uns halb schlafend mit grünen Augen an,

 

fangen den ein oder anderen Windstoß,

der sich ihnen nähert,

 

trinken mit offenen Händen die goldene Wärme,

deren Übermaß ihnen silbern durch die Finger regnet

 

und sich bunt auf den Gräserspitzen

entlang unseres Weges findet.

Musik auf einer Fahrt

Wie sie uns die Dinge ans  Herz schmiegt,

den dunklen Abendregen in Schlummer wiegt,

das bleierne Wolkenlicht federleicht anrührt,

 

mir von der Landschaft erzählt,

nichts von ihr auslässt,

Vorhang um Vorhang öffnet –

 

bis sie sich ihr wie eine Brandungswelle entzieht

und sie in dem Wunsch zurücklässt,

ihrer unsichtbaren Bewegung zu folgen.

Immer noch

Das erste und letzte Wort

wie zwei Hände

und wir in einem heilsamen Dazwischen –

 

beschliessen den Tag mit einem Schlaf

wie mit einem Gebet,

 

finden uns in der Mitte eines Regens,

wie er in unsere Stunden hineinfällt –

 

als würde er dem Tag seine eigene

vergessene Geschichte erzählen.

 

Irgendwo

Zwischen Steinen

und Sternen,

 

Gesprächen

und Gebeten,

 

halb gehend,

halb schlafend

 

folge ich den Flüssen

und den Tränen,

 

die Landschaft

und Deine offenen Arme vor Augen.

Während

Immer im Warten,

als würden sich die Sekunden

im Zählen verlieren

und Dich die Ereignisse

durch sich hindurchreichen –

 

während die Sonne ihre goldenen Haare

Dir in die Hände legt

und Dein Blick wie ein ersehnter

Sommerregen auf sie fällt.

Vom Lesen

Das Buch, ein Gegenstand,

der mich dazu überreden möchte,

meiner zu sein,

 

als würde das Umschlagen jeder Seite

sein Gewicht vermehren,

mit dem er mir in den Händen liegt,

 

und das Schliessen des zweiten Buchdeckels

den Silberfaden durchschneiden,

mit dem sein Wort

bilderreich

in mich hineinfällt.