Advent

Sich wartend

der Zeit aussetzen,

 

bis ich mich

unverhofft finde

 

im Sternenlicht

des Kommenden.

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Schritt für Schritt

Als würde sich das Geräusch

meiner Schritte vom Boden ablösen –

 

wie Seiltänzer

schreite ich eine Linie ab,

ohne nach unten zu schauen

oder nach den Händen

links und rechts von mir zu greifen,

 

Fuß um Fuß voran –

 

entgegen einem Horizont,

auf den hin sich

der vage Halt unter mir verunsichtbart.

 

November

Regen wäscht die Farbe von den Blättern,

 

bis sie ihr hinterherfallen,

 

während der Himmel unverhofft aufklart

 

und das verspätete Licht

 

sich abschiedlich im Treibenden sucht.

Veränderung

So lange vor einem Bild gestanden,

dass ich vergessen habe, vor einem Bild zu stehen –

 

das Hinzugefügte der Farben,

Flächigkeit der Landschaft,

die sich bei der kleinsten Bewegung

unbeweglich entzieht,

 

und mit der Zeit

zeichnet sich der dünne Rahmen ab,

wird greifbar,

wie eine Wand entfernt

 

und bleibt verstummt

in der blinden Ecke eines Zimmers zurück.

 

 

Beim Lauschen

Vertrautheit, mit der sich Deine Geschichte erzählt –

 

als würden Dich die winkenden Blätter

um das Umschlagen der Seite bitten

 

und würde Dir ihr Flüstern

vorweg ihren Inhalt zueignen –

 

als wären die Geräusche um Dich

in ihren warmen Erzählton eingebettet,

 

und Deine

in ihren Atemzügen.

Zeitenwandel

Das Schweigen der Natur

ist farbiger geworden –

 

Blätter trinken

die verbliebenen Sonnentrahlen in sich hinein,

bis sie sich ihrer Erinnerung überlassen

und sie uns zu Füßen legen –

 

und der Wind hält sorgsam Auslese für das Muster,

das unter seinen Händen entsteht,

über das unsere Schritte wahllos hinwegfahren –

 

die gebetteten Wege,

auf denen die festen Trittgeräusche

zu einem halbschlafenden Flüstern sich wandeln –

 

während uns die Zeit herbstlich entgegenfällt.

 

Wiegenbewegung

Den Tag an seinem Ende loslassen,

das Getane daran erinnern,

dass es getan ist,

 

das Unfertige vorsichtig aufheben,

vom Staub befreien,

die Farben der Lichtbrechungen an ihm beobachten,

 

den Momenten Dauer schenken,

wie sie lautlos und luftgewiegt

in meine Hände fallen.