Vom Lesen

Das Buch, ein Gegenstand,

der mich dazu überreden möchte,

meiner zu sein,

 

als würde das Umschlagen jeder Seite

sein Gewicht vermehren,

mit dem er mir in den Händen liegt,

 

und das Schliessen des zweiten Buchdeckels

den Silberfaden durchschneiden,

mit dem sein Wort

bilderreich

in mich hineinfällt.

Inmitten

Eine Blüte geht auf

wenn ich meine Hände

wie  ein Buch öffne,

 

und blühend findet sie sich

in der Gestalt meines Handelns wieder –

 

in einer Landschaft,

die mich gartenhaft umgibt.

Gegeben

Das Gegebensein der Dinge

ist ihre zärtlichste Geste an uns,

 

wie sie schlicht und aufrecht um Dich stehen,

Dich mühelos einfangen in den Augenblick,

von dem sie mütterlich erzählen –

 

demütiger Fingerzeig,

der in den Bäumen sich regt,

lächelnder Blick,

im Wasser gespiegelt,

 

damit Du in ihrem Bild

Deines erkennst.

Wellenschrift

An den Rand eines Ufers

wie an ein Ende gestellt,

die tastenden Wellen um uns –

 

und wir versuchen,

ihre flüchtige Handschrift zu entziffern,

 

bis wir in einem Schauen enden,

und ihre lächelnde Zusage verstehen

Beiläufig

Wie der Weg mir voraus ist

ohne mir davonzulaufen,

 

erzählt mein Unterwegssein

in bildhaften Worten

von der Landschaft,

 

die sich mir mit den Armen der Bäume

groß und still entgegendreht,

bis wir einander begegnen.

Der erste Tag

Wüssten wir, in welchem Morgen

das Licht vor uns steht,

 

was sich uns mit den Anklängen

der Vogelstimmen ans Herz legt,

 

wir würden das Kommende

wie einen hellfenstrigen Raum betreten,

 

dessen Bilderschwelle

uns den einen Schritt zuvorkommt.

 

Heimat ist

Heimat ist,

um Dich gefunden sein zu lassen,

als würde sich das „von Zeit zu Zeit“

mit der Beiläufigkeit des Wellenschlags

am Ufer ereignen –

 

als wäre der Wendepunkt der Wege

in Deinen Atemzügen beschlossen

und als würde in ihrer Wiegenbewegung

Deine Geschichte nach und nach

zum Schlummerlied werden,

über das Du wieder zu hören beginnst.