Wellenschrift

An den Rand eines Ufers

wie an ein Ende gestellt,

die tastenden Wellen um uns –

 

und wir versuchen,

ihre flüchtige Handschrift zu entziffern,

 

bis wir in einem Schauen enden,

und ihre lächelnde Zusage verstehen

Beiläufig

Wie der Weg mir voraus ist

ohne mir davonzulaufen,

 

erzählt mein Unterwegssein

in bildhaften Worten

von der Landschaft,

 

die sich mir mit den Armen der Bäume

groß und still entgegendreht,

bis wir einander begegnen.

Der erste Tag

Wüssten wir, in welchem Morgen

das Licht vor uns steht,

 

was sich uns mit den Anklängen

der Vogelstimmen ans Herz legt,

 

wir würden das Kommende

wie einen hellfenstrigen Raum betreten,

 

dessen Bilderschwelle

uns den einen Schritt zuvorkommt.

 

Heimat ist

Heimat ist,

um Dich gefunden sein zu lassen,

als würde sich das „von Zeit zu Zeit“

mit der Beiläufigkeit des Wellenschlags

am Ufer ereignen –

 

als wäre der Wendepunkt der Wege

in Deinen Atemzügen beschlossen

und als würde in ihrer Wiegenbewegung

Deine Geschichte nach und nach

zum Schlummerlied werden,

über das Du wieder zu hören beginnst.

Unter einem Baum

Das Grüne in Blätter aufgefächert,

flimmernde Punkte in der Luft

vor einem durchscheinenden Blau –

 

Windstoß, eingefangen

zu unsichtbarem Brandungsrauschen,

rieselt in Tropfen auf mich herab,

 

erzählt vom fernen Meer,

als hielte seine Welle über mir an

 

um mich in ihrem Windschatten

eine Weile sein zu lassen.

An der Schwelle

Anfänglichkeit des Abends –

Vögel stimmen

die andere Strophe des Morgenliedes an.

 

Der Lauf der Stunden

endet auf den Zehenspitzen,

auf denen er begonnen hat,

 

das Licht in der gleichen Schwebe,

in der sich das Ende des Tages mühelos

an seinen Beginn anschliesst.

Tag in der Stadt

Es war einer der Tage,

in denen die Morgentimmung

bis zum Abend hin anhält,

die Sonne auf halber Höhe verharrt,

Sonne und Stadt –

 

die warmen Häuserfronten,

die ruhenden Kuppeldächer,

die vereinzelt beschrittenen Gassen –

einander zugeneigt bleiben,

 

bis Einer in den Armen des Anderen einschläft,

ohne zwischnezeitlich wirklich erwacht zu sein.

Karsamstag

Tag der großen Stille,

Atemwende der Zeit –

Moment der leeren Hand,

 

die uns hören lässt,

bis Stille und Hören eines sind

 

und durch es hindurch die Vogelstimmen

des noch jenseitigen Morgens erwachen.