Veränderung

So lange vor einem Bild gestanden,

dass ich vergessen habe, vor einem Bild zu stehen –

 

das Hinzugefügte der Farben,

Flächigkeit der Landschaft,

die sich bei der kleinsten Bewegung

unbeweglich entzieht,

 

und mit der Zeit

zeichnet sich der dünne Rahmen ab,

wird greifbar,

wie eine Wand entfernt

 

und bleibt verstummt

in der blinden Ecke eines Zimmers zurück.

 

 

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Beim Lauschen

Vertrautheit, mit der sich Deine Geschichte erzählt –

 

als würden Dich die winkenden Blätter

um das Umschlagen der Seite bitten

 

und würde Dir ihr Flüstern

vorweg ihren Inhalt zueignen –

 

als wären die Geräusche um Dich

in ihren warmen Erzählton eingebettet,

 

und Deine

in ihren Atemzügen.

Zeitenwandel

Das Schweigen der Natur

ist farbiger geworden –

 

Blätter trinken

die verbliebenen Sonnentrahlen in sich hinein,

bis sie sich ihrer Erinnerung überlassen

und sie uns zu Füßen legen –

 

und der Wind hält sorgsam Auslese für das Muster,

das unter seinen Händen entsteht,

über das unsere Schritte wahllos hinwegfahren –

 

die gebetteten Wege,

auf denen die festen Trittgeräusche

zu einem halbschlafenden Flüstern sich wandeln –

 

während uns die Zeit herbstlich entgegenfällt.

 

Wiegenbewegung

Den Tag an seinem Ende loslassen,

das Getane daran erinnern,

dass es getan ist,

 

das Unfertige vorsichtig aufheben,

vom Staub befreien,

die Farben der Lichtbrechungen an ihm beobachten,

 

den Momenten Dauer schenken,

wie sie lautlos und luftgewiegt

in meine Hände fallen.

Abendlicht

Sonne und Erde sind sich näher,

wenn sie einander abendlich zugeneigt sind,

 

das Licht die Dinge nicht mehr hart von oben trifft,

sondern rot und tief ins Land fließt

 

um ihnen ins Gesicht zu schauen

und seine Hände wie ein stilles Gebet auf sie zu legen.

Im Sommer

Die Dinge ruhen in der Mitte ihres Sommers,

schauen uns halb schlafend mit grünen Augen an,

 

fangen den ein oder anderen Windstoß,

der sich ihnen nähert,

 

trinken mit offenen Händen die goldene Wärme,

deren Übermaß ihnen silbern durch die Finger regnet

 

und sich bunt auf den Gräserspitzen

entlang unseres Weges findet.

Musik auf einer Fahrt

Wie sie uns die Dinge ans  Herz schmiegt,

den dunklen Abendregen in Schlummer wiegt,

das bleierne Wolkenlicht federleicht anrührt,

 

mir von der Landschaft erzählt,

nichts von ihr auslässt,

Vorhang um Vorhang öffnet –

 

bis sie sich ihr wie eine Brandungswelle entzieht

und sie in dem Wunsch zurücklässt,

ihrer unsichtbaren Bewegung zu folgen.