Nachts geschrieben

Leben von Wort zu Wort

wie von Tag zu Tag,

dazwischen nachtlose Dämmerung

des Hörens voneinander.

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An einem Brunnenschacht

Je bleigewichtiger eine Müdigkeit,

umso dankbarer fällt sie Dir aus den Händen

und von dort in den benachbarten Brunnen

 

in den zwei Sekunden, die es braucht,

um alle Müdigkeit

in ein einziges Warten zu kehren,

 

auf das Geräusch,

mit dem sich das Wasser lächelnd versilbert.

 

Herbstwende

Winde bevölkern das Land,

Bäume schauen sich ängstlich um

unter einem ungerührt blauen Himmel –

 

ein Wald winkt mir zu,

ich nähere mich auf Rufweite,

 

seinem dünner werdenden Flüstern vom Abschied,

 

bis ich tröstend

meine Hände unter ihm ausbreite.

Das Mädchen Augenblick

 

Und sie sitzt wie ein Kind

geduldig neben Dir,

während Du sie im Drehen der Zeiger suchst,

 

und unbemerkt nähert sie sich,

damit Du ihren Atem in Deinem Gesicht spürst –

 

lautlos legt sie

ihre Hand auf das Ziffernblatt,

bis Deine Augen sich lösen,

 

und sich das Stakkato der Sekunden

in ihren melodischen Atemzügen verliert.

Heimwärts

Das verhaltene Lächeln der Wellen

zum Brandungsrauschen,

 

das eindringliche Wachstum

zur grüngefächerten Stille,

 

das ansetzende Flüstern der Luft

zum durchscheinend Blauen,

 

das Ereignis zu Dir.

 

 

 

 

Moment im Sommer

Wenn es Stille ist,

die Dir von Dingen in die Hände gelegt wird,

 

Augenblicke geduldige Gefährten,

die am Wegrand auf Dich warten,

 

wenn Farben Dir vielgestaltig ihr Hiersein zusprechen,

 

das Licht schäumend

und grünflimmernd Dir entgegenbrandet,

 

die Luft schwer von Wärme, Duft

und Erinnerung.