Blick in den Brunnenschacht

In all dem,

was Du der Stille anvertraust,

bleibt sie Dir

unverändert zugewandt.

 

Nichts von dem geht ihr verloren,

was Du ihr ins Herz legst –

und es ist das erste Versprechen,

das sie Dir ins Herz legt.

 

Ihr ruhender Blick

gibt Dich klarer wieder

als Dein Spiegelbild.

 

Sie erinnert sich an Dich

mit geschlossenen Augen,

legt Dir mütterlich

die Hände auf Deine.

Ende eines Tages

„Es ist anders, als Du denkst.“

Konfrontiert Dich der Satz

mit der Stummheit und Härte eines Holzbrettes,

oder spült er sich Dir an

mit der Beredsamkeit und dem Wiederkehrenden

eines Wellenschlags?

 

Welchen Teil Deines Denkens lässt er übrig?

Den, der sich gerne unterbrechen lässt?

 

Wäre er wie ein Zauberspruch –

Was würde er verzaubern?

Wäre er ein Fenster –

welche Aussicht Dir eröffnen?

Wäre er eine Türe –

würdest Du hindurchgehen?

 

Was denkst Du?

Vor dem Einschlafen

Vielleicht ist die Stille

am Abend deshalb so versöhnend,

weil sich in ihr der Tag

so erzählt, wie er verstanden werden wollte –

 

als würde sich ein Buch noch einmal aufschlagen,

weil wir die entscheidende Stelle

überlesen hatten,

oder uns die Stille fehlte, sie richtig zu verstehen –

 

und als würde abschliessend nicht

meine Hand das Buch

sondern das Buch meine Hände beschliessen.