Entlang

Der Weg schrittweise vor uns hingestreut,

Steine himmel-, wasser-, erdfarben,

 

beiläufig und heimatlich,

 

Orte wie Murmeln zueinandergelegt,

Entfernungen im Sprung

 

Fuß um Fuß genommen.

Zeit

An einem Ort sein,

bis er sich an Dich erinnert –

 

vor einem Bild stehen,

bis sein Rahmen sich darin verliert –

 

dem Fluss folgen,

bis er Dich bettet –

 

einem abendlichen Meer lauschen,

bis das fließende Licht Deine Füße umspült.

Das Märchen vom Tausendfüßler (nacherzählt)

Es war einmal ein Tausendfüßler, dem es so mühelos gelang, seine tausend Beine in eine Schrittfolge zu bringen, dass sein Gehen einem Schweben glich, und er dafür von allen Wesen geliebt und bewundert wurde.

Eines Tages kam ein Skarabäus-Käfer, ein mathematischer Gelehrter daher, der es sich zum Ziel setzte, die Schrittfolge in ein logisch-mathematisches Diagramm zu fassen, was ihm auch gelang.

Am Ende seiner Berechnungen bat er den Tausendfüßler um ein Gespräch, um ihm sozusagen sich selbst zu erklären: „Sehr geehrter Herr Tausendfüßler, die Setzungsfolge ihrer Füße ist ein mathematisches Meisterwerk…“ (er hüstelte kurz) „…zuerst erfolgt die Setzung der Füße eins bis zehn auf ihrer linken Seite, sodann folgt, während sie ihren dritten Fuß zu ihrer linken Seite setzen, die Setzung der Füße drei bis zwölf zu ihrer rechten Seite, dadurch entsteht der anscheinende Eindruck einer entstehenden Inkongruenz – die sie jedoch meisterhaft ausgleichen durch eine syllogistisch anmutende Verwendung folgender Füße auf der linken Seite…“

Der Tausendfüßler versuchte in wachsender Verwirrung, schließlich in beginnender Verzweiflung den Ausführungen (,die offenkundig mit ihm zu tun hatten,) zu folgen, stieß zuweilen ein „Wie war das gerade, was Sie vorhin, ich meine später, als sie…“ hervor, und verlor mit jeder der ihm dargelegten Folgerungen zunehmend den Glauben, dass er dazu in der Lage sei, in der ihm so überzeugend vorgetragenen Weise zu gehen. Am Ende (und nachdem sich der Skarabäus-Käfer in vollendeter Höflichkeit und überzeugt von der Stringenz seiner Erklärungen mit einer taktvollen Verneigung von ihm verabschiedete) blieb der Tausendfüßler zurück mit einem Blick auf seine Beine wie auf ein unentwirrbares Rätsel.

Von diesem Tag an glich der Gang des Tausendfüßlers einem krampfartigen Schleppen und Ringen von Schritt zu Schritt, als würde ihm mit jedem von ihnen ein Bein gestellt werden. Man sah ihn von da an nur noch selten außerhalb seines Baus, weil er nur ungern das tragikomische Rührstück seiner schrittweisen Gehversuche der Öffentlichkeit darbieten wollte.

Bis eines Tages eine Tausendfüßlerin ihrer Wege schwebte, mit einem eigenartigen Singsang auf den Lippen – „Sechs mal Sechs ist sechsunddreißig, ist der Lehrer noch so fleißig, ist der Schüler noch so faul…“ – an seinem Bau vorbei –  und sogleich war es um ihn geschehen – er verliebte sich auf der Stelle – und schwebte ihr hinterher, als hätte er niemals etwas Anderes getan.

…der Einzige, der am Ende verwirrt zurückblieb, war der Sakarabäus-Käfer, weil sich ihm die Logik dieser neuen Schrittfolge mit jedem Versuch einer Zergliederung spielerisch entzog.