An der Schwelle

Anfänglichkeit des Abends –

Vögel stimmen

die andere Strophe des Morgenliedes an.

 

Der Lauf der Stunden

endet auf den Zehenspitzen,

auf denen er begonnen hat,

 

das Licht in der gleichen Schwebe,

in der sich das Ende des Tages mühelos

an seinen Beginn anschliesst.

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Tag in der Stadt

Es war einer der Tage,

in denen die Morgentimmung

bis zum Abend hin anhält,

die Sonne auf halber Höhe verharrt,

Sonne und Stadt –

 

die warmen Häuserfronten,

die ruhenden Kuppeldächer,

die vereinzelt beschrittenen Gassen –

einander zugeneigt bleiben,

 

bis Einer in den Armen des Anderen einschläft,

ohne zwischnezeitlich wirklich erwacht zu sein.

Karsamstag

Tag der großen Stille,

Atemwende der Zeit –

Moment der leeren Hand,

 

die uns hören lässt,

bis Stille und Hören eines sind

 

und durch es hindurch die Vogelstimmen

des noch jenseitigen Morgens erwachen.

Gründonnerstag

Kennen wir die Tränen,

die in die Nacht fallen,

 

und kennen wir die Nacht,

in die sie fallen,

 

sich selbst so fremd,

dass sie ihren eigenen Namen vergessen hat,

 

getragen vom Namen,

den kein Widerhall zurückgibt,

 

ausgestreckt wie eine Hand,

die in sternlose Leere greift,

 

und doch bleibt es der Name,

an den sich die Nacht klammert,

 

wie an ein letztes Erinnern.

 

Trost

 

Es ist tröstend,

die heilsame Innenseite

eines Wortes zu ertasten

 

wie eine dunkle, regenfeuchte,

im dämmrigen Höhlenlicht

liegende Felswand.

 

 

 

Nach dem Einschlafen

Sekunden, die sich ohne Laut

von der Bewegung der Zeiger lösen,

 

Welle, die mich landschaftlich umspült

und in sich aufnimmt,

 

Nähe, die mir aus den Händen fällt,

Ferne die sich in sie hineinlegt,

 

Worte, die einander aufheben,

Stille, die Wort behält,

 

Sternenlicht,

das einen unsichtbaren Tag heraufführt –

 

dessen Grenze der Lichtstreifen

am Horizont ist.

Anvertraut

Ein Tag stellt Dich in den Windschatten

seines Ein- und Ausatmens,

dem die Zeit hoffnungslos hinterherkreist

wie ein nutzloses Spielzeug –

 

fragend legt er es in Deine Hände,

als warte er auf eine Erklärung,

was sich damit anfangen lässt,

 

während  das tickende Geräusch

schrittweise in das Klopfen

Deiner Finger übergeht,

die unbewusst den Rythmus wechseln.